Von Julia Wetzel Lampertheimer Zeitung
LONDON PUB Ausstellungseröffnung und „Die 3 B(E)ngel“
LAMPERTHEIM – Frühling bedeutet in Lampertheim den Beginn der Spargelzeit und überall wird das königliche Gemüse angeboten – und den passenden Wein oft direkt dazu. Damit wurden schon die wichtigsten Begriffe genannt, die den Freitagabend im London Pub beschreiben könnten. Dort wurde die Ausstellung „Spargel & Wein“ eröffnet.
Die beiden Künstler Holger Boesler und Armin Hott ließen sich entschuldigen und so blieb es Hackstein als Dritter im Bunde vorbehalten, die Ausstellung offiziell zu eröffnen. Holger Boesler, in Lampertheim geboren und aufgewachsen, zog es schließlich nach Mannheim, wo er selbstständig als Medien- und Webdesigner arbeitet. „1989 malte er sein erstes Bild für den Spargellauf – und daraus entstanden mehr dieser Werke“, erklärte Friedrich „Hacky“ Hackstein. Mit viel Liebe zum Detail malte er seine Bilder, die allesamt den Spargel in unterschiedlichsten Situationen zeigen. Etwa Zeichnungen auf Packpapier von einem sportlichen Spargel oder einem rockenden Spargel auf, dessen Verstärker „Sparshell“ (von Marshell abgeleitet) steht. Selbst ein Chor aus Spargelstangen mit Notenbüchern in der Hand fand den Weg auf das Papier. Was gesungen wird? „Sah ein Knab‘ ein Spargel stehen.“
Für den Wein im Titel sorgte Armin Hott. Seine handkolorierten Radierungen haben vor allem Raben und Rebensaft als Motiv. „Was liegt näher für einen Pfälzer als der Wein“, so Hackstein. So zeigen die Werke Hotts eine „Rabendgesellschaft“, bei der die gefiederten Tiere mit Frack und Sektgläsern eine illustre Runde bilden. „That’s Life“ dachte sich wohl der Rabe auf einem weiteren Bild und setzte sich direkt in das große Weinglas – und zur Sicherheit hält er noch eines in der Hand. Und was passiert mit dem Rebenholz, wenn die Weinreben zurückgeschnitten werden? Aus dem alten Holz fertigt Friedrich Hackstein Accessoires her, wie Vasen, Teelichter und weitere Dekorationen. „Jedes Teil ist ein Unikat, weil die Holzstücke es auch sind“, erklärte er. So sägt, bohrt und schleift er das Rebenholz, bis daraus die Accessoires entstehen.
Doch nicht nur die Bilder und Accessoires hatten sich den Spargel und Wein zum Thema genommen. Auch die „3 B(E)ngel“ – Schorsch, Hennes und Paul – verkündeten den Frühling und hatten einiges zu Frühling, Spargel und Wein zu erzählen. Eingeleitet wurde das Programm natürlich mit dem Lampertheimer Spargellied und so sang der gesamte London Pub von den schönen, jungen Mädchen, „Spargel, Zigarren und Wein“. Michael Tschirner alias Schorsch begrüßte die Zuschauer in den „heiligen Hallen“ und erklärte: „De Hacky kummt ja vun woannerschd her“, deshalb spreche er auch eine andere Sprache. Woher der Hacky – oder auch Paul – herkommt, hörte man schon bei seinem: „Wie isset?“ Das Kneipenurgestein aus dem Ruhrgebiet und Hacksteins alias Paul erklärten, dass der Frühling etwas Besonderes sei, nicht nur wegen der Gefühle und zitierte bekannte Dichter – jedoch in Hochdeutsch. Dichter hätten immer schöne Worte gehabt, heute jedoch bleiben nur Wörter wie Eurokrise und Flüchtlingskrise „und was reimt sich darauf? In de Miese“.
Um den Ausgleich zum Ruhrgebiets-Dialekt zu schaffen und zu „übersetzen“, so dass es jeder versteht, trug Schorsch seine Gedichte „awwer uff Lambada Platt“ vor. Etwa das Gedicht vom Lambada der mit einem „Zugerahste“ (Zugereisten / Flüchtling) eine Kanufahrt unternimmt oder Frei nach Wilhelm Busch vom Frosch, der auf den Baum klettert. Eine Weisheit bezüglich des Spargels von Karl-Heinz Funke gab „Paul“ dem Publikum noch mit auf den Weg: „Spargel behandelt man wie eine Frau. Man streichelt zuerst das Köpfchen und dann langsam den Körper herab.“
Für die Musik zwischendurch, immer passend zu dem jeweiligen Überbegriff, sorgte der dritte B(E)ngel Hennes alias Hans Materna. Vor allem das Lied zum Spargel sorgte für großes Gelächter, als es aus den Boxen dröhnte: „Sie liebte den Spargelstecher von Vögelsen.“